| Veranstaltung: | Jahreshauptversammlung 2023 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 3.1. Rechenschaftsbericht des Kreisvorstands für 2022 |
| Antragsteller*in: | Kreisvorstand (dort beschlossen am: 08.03.2023) |
| Status: | Eingereicht |
| Angelegt: | 20.03.2023, 13:58 |
RB : Rechenschaftsbericht Kreisvorstand für 2022
Antragstext
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber das Jahr begann
tatsächlich gut. Wir alle hatten das Gefühl, dass Corona, wenn auch nicht
vorbei, dann doch endlich auf dem Rückzug war und voller Optimismus schauten wir
auf ein neues Wahlkampfjahr. Der Landtag sollte gewählt werden und, obwohl wir
nach der Bundestagswahl ganz schön erschöpft waren, freuten wir uns über drei
fantastische Kandidat*innen für unsere drei Wahlkreise: Christina Osei, Romy
Mamerow und Cim Kartal wurden am 19. Januar gewählt und konnten somit in den
Wahlkampf einsteigen.
Am 24. Februar geschah das Ungeheuerliche. Nach der widerrechtlichen Annexion
der Halbinsel Krim im Jahr 2014 und den bewaffneten Konflikten in der Ost-
Ukraine begann Russland seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die
gesamte Ukraine. Der Schock, einen imperialistischen Krieg in direkter
Nachbarschaft zu haben, von einem Mann begonnen, von dem man sich erhofft hatte,
er könne ein Partner Europas werden, saß und sitzt tief. Seit den 80er Jahren
hatten wir uns nicht mehr so vor einer Eskalation, in die wir involviert werden
könnten, gefürchtet. Mit dem Krieg gerieten viele Selbstverständlichkeiten ins
Wanken.
Es begann eine Zeit, in der sich einerseits unsere Partei, die jetzt
Regierungspartei war, in einer bis dato unvorstellbaren Situation wiederfand,
die Folgen des Krieges für die Bürger*innen abfedern und in dieser Lage trotzdem
noch zusehen musste, dass die normale Politik, also das Ringen und Verhandeln um
Klimaschutz, mehr Solidarität und Gerechtigkeit in der Koalition voranging.
Andererseits stellten sich die Menschen in unserer Partei viele Fragen, sahen
sich in ihrem Selbstverständnis bedroht und es gab und gibt viel Austausch,
Diskussion und Fragen.
Was wir alles auf die Beine gestellt haben: ein kulturpolitisches Frühstück mit
Claudia Roth, Britta und Mona, den bunten Frühjahrsempfang, eine bewegende
Lesung mit Ronya Othmann, eine lebhafte Diskussion mit Janosch Dahmen zur
Corona-Politik, eine rasante Verkehrsaktion mit Arndt Klocke, eine intensive
Veranstaltung zu Rassismus, ein fitmachendes Training für FLINTA-Personen in der
neuen Calisthenics-Anlage, unsere geliebte Fahrradwaschanlage, ein queerer
Filmabend mit Sven Lehmann, eine laute Townhall mit Robert und Mona, eine
kompetente Führung durch die Frauenausstellung, eine zweirädrige Testfahrt über
den Ehlentruper Weg und eine sonnige Townhall mit allen Kandidat*innen am
Bunnemannplatz. Und daneben noch Wahlkampfstände, Haustürwahlkampf und jede
Mende Termine der Kandidat*innen bei Verbänden, Unternehmen, Veranstaltungen,
Aktionen, Podiumsdiskussionen und mehr.
Der Begriff Zeitenwende wurde im letzten Jahr oft benutzt. In Bielefeld hatten
wir unsere ganz eigene Zeitenwende zu verkraften: Wir mussten drei prägende
Persönlichkeiten verabschieden und haben, damit es nicht so schmerzt, einfach
immer Riesenpartys draus gemacht. Den Anfang machte Gaby – nachdem sie jahrelang
die rechte und linke Hand der Geschäftsführung war, hatte sie die verrückte
Idee, in ihrem jugendlichen Alter in Rente zu gehen. Nachdem wir das erst als
Fake News abgetan hatten, mussten wir der Realität ins Auge sehen und ihr
tatsächlich den Ausstieg ermöglichen. Mit einem großen Partyknall wurde sie dann
entlassen und durfte sich endlich um ihren statt um unseren Haushalt kümmern
(obwohl wir uns sicher sind, dass Gaby mit ihrer Zeit Besseres anzufangen weiß
als zuhause herumzusitzen).
Es ist für einige von uns im Vorstand, die wir noch nicht so lange dabei sind,
nur zu erahnen, was Gaby all die Jahre hier geleistet und gewuppt hat in ihrer
unglaublich tollen, politischen und empathischen Art. Aber wir sind ihr
unendlich dankbar, dass sie die Bielefelder Grünen so lange geprägt und
unterstützt hat!
Eine weitere Konstante, die wir in diesem Jahr verloren haben, ist Matthi Bolte,
der in den Norden wollte. Zu unserer großen Überraschung kandidierte er nicht
noch einmal für die Landtagswahl, sondern zog fort, um sein Glück in einem
Fahrradkurierdienst in Kiel zu suchen. Auch er bekam einen anständigen Abschied
mit vielen Freund*innen, Erinnerungen und den besten Wünschen für die Zukunft!
Um allen noch einmal zu zeigen, was für einen großartigen Menschen wir in der
Fraktion jahrelang hatten, ließ es sich die Partei nicht nehmen, ihn per Bahn
kreuz und quer durch Bielefeld zu fahren, so dass sich jeder Stadtteil von ihm
verabschieden konnte. Und in der Bahn haben wir spannende Sachen über ihn
gelernt.
Es gab noch einige Highlights im letzten Jahr, unter anderem haben wir eine
Personalkommission auf den Weg gebracht, die sich in erster Linie um die
Weiterentwicklung und das Empowerment der Mitglieder kümmern wird. Dabei geht es
darum, die Mitgliederbindung zu stärken, aber auch frühzeitig Leute aufzubauen,
für all die Aufgaben, die wir haben und die noch auf uns zukommen. Dabei wollen
wir natürlich schauen, dass wir auch unser Frauenstatut und unser
Vielfaltsstatut zur Anwendung bringen.
Apropos Vielfalt: Vorstand und die Fraktion haben im vergangenen Jahr eine
Fortbildung dazu gemacht – und so haben wir jetzt das theoretische Rüstzeug, um
einerseits sensibler mit dem Thema umzugehen und andererseits die Aufgabe, mehr
Diversität in unsere Partei zu bringen und zu halten, anzugehen. Wir hoffen von
ganzem Herzen, dass uns das in der Zukunft gelingen wird.
Das Highlight im Juni war dann die LDK in der Bielefelder Stadthalle – neben den
fleißigen Delegierten haben viele von uns als Gast die Gunst der Stunde genutzt.
Leider haben wir keine OWL Vertretung im Landesvorstand bekommen, aber wir haben
mit Tim Achtermeyer jetzt jemanden, der versprochen hat, die OWL Interessen im
Vorstand zu vertreten.
Seit dem Altstadtraum hatten wir uns gemeinsam mit der Fraktion zum Ziel
gesetzt, die Kommunikation über die Mobilitätswende und andere Grüne Themen
stärker selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten, statt uns von der
konservativ-liberalen „Es soll alles bleiben, wie es ist“-Meute vor uns her
treiben zu lassen. Am Ende des Prozesses stand zunächst eine Website, die das
Herz unserer zukünftigen Kampagnen bilden wird: www.einfachumsteigen.jetzt.
Schaut gerne mal rein und lasst eure Ideen da.
Wir haben auch im letzten Jahr viele neue Mitglieder hinzu gewonnen: 44
Neumitglieder und 25 Menschen aus ehemalig anderen Kreisverbänden verstärken uns
in Bielefeld. Herzlich willkommen! Ende 2022 waren wir insgesamt 850 Mitglieder.
Wir freuen uns sehr über alle neuen und zugezogenen Mitglieder und hoffen, dass
ihr euch aktiv einbringen und für neue Ideen und neue Impulse sorgen werdet. Wir
sind immer offen und gesprächsbereit – für neue Ideen, konstruktives Feedback,
und natürlich auch für Kritik. Sprecht gerne mit uns, damit wir unseren
Kreisverband so gut wie möglich führen können.
Last but not least an dieser Stelle ein ganz, ganz großes Dankeschön und dickes
Lob für unsere hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Lisa und Karen, die sehr souverän
den Kreisverband führen, immer die Ruhe und den Überblick behalten, tragfähige
Lösungen finden und dabei meistens noch Optimismus und gute Laune versprühen.
Mit Mitstreiterinnen wie diesen ist man für alles gewappnet. :)
Zunächst haben wir mit 2023 ein Jahr, in dem wir keinen Wahlkampf bestreiten
müssen. Yay! Trotzdem wirft die Europawahl ihre Schatten voraus und wir werden
sicher gegen Ende des Jahres in die Wahlvorbereitungen starten. Bis dahin
möchten wir uns auf euch konzentrieren, wir wollen wieder mehr miteinander ins
Gespräch kommen, neue Menschen für die Partei gewinnen, von den Erfahrenen
lernen, über Lokales und Weltweites diskutieren, Thesen entwickeln und
Praktisches umsetzen. Radikal denken und besonnen handeln. Und in dieser Zeit
der vielen Krisen werden wir weiter gemeinsam nach Lösungen suchen, Neues
ausprobieren und hoffentlich weiter in die gleiche Richtung schauen und laufen.